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Grundsätzlich darf jeder ohne eine besondere Erlaubnis ein Tierheim in Ungarn eröffnen und führen.
Behördlich genehmigte Tierheime mit einer offiziellen Lizenz gibt es nur ca. 10 Stück (darunter
Pecs, Szekszard,
Székesfehérvár und Györ).
Vorschriften oder gar Kontrollen gibt es keine, deswegen gibt es leider auch hier "schwarze Schafe"
und nicht bei jedem Tierheim stehen die Tiere im Vordergrund.
Insgesamt gibt es ungefähr 100 Tierheime in Ungarn, ca. 70 - 80 werden von lokalen Tierschutzvereinen
oder Privatpersonen betrieben. Allen Tierschutzvereinen und Tierheimen im Land fehlt eine solide finanzielle Grundlage, die meisten
kämpfen täglich ums Überleben.
Von den Gemeinden kommt gar keine oder nur eine sehr geringe finanzielle Unterstützung. Hauptgeldquelle
von dieser Seite ist ein Programm, welches es erlaubt, dass 1% der Einkommenssteuer an eine Tierschutzorganisation
gespendet werden kann.
Diese 1%-Regelung darf ein Tierheim/Tierschutzverein allerdings erst nach 3-jährigem ununterbrochenem
Bestehen in Anspruch nehmen. An dieser Vorschrift sind bereits etliche private (seriöse) Initiativen
gescheitert, da einfach das Geld nicht reichte, die ersten drei Jahre durchzustehen. Andererseits hat
diese Vorschrift natürlich ihre Daseinsberechtigung, damit sich nicht irgendwelche Leute unter dem
Aushängeschild "Tierschutz" an Steuergeldern bereichern können.
Wenn ein Tierheim es geschafft hat, decken die Gelder aus dieser Regelung allerdings auch nur einen
kleinen Anteil der anfallenden Gesamtkosten, wie im Falle des Tierheims Cegled z.B. nur ca. 16%.
So sind alle Vereine und Tierheime dringend auf Spenden angewiesen und können nur dadurch ihre Arbeit
fortsetzen.
Und in den meisten Tierheimen gibt es noch viel Arbeit − es fehlt an allen Enden und Ecken: Personal,
Platz, Strom und immer wieder Geld. Die Mitarbeiter geben sich alle Mühe, aber wenn die finanziellen
Mittel fehlen, sind sie hilflos. Die Organisationen wünschen sich für ihre Tierheime:
- immer ausreichend Futter für die Tiere
- eine Auslauffläche, wo die Tiere sich frei bewegen können
- überdachte, Wind- und Regengeschützte Zwinger
- eine ausreichende medizinische Versorgung
- die Möglichkeit, die Tiere zu kastrieren
- genügend Personal, dass sich um die Tiere kümmert
- eine Quarantänestation für neue Zugänge, damit diese keine Krankheiten
auf die anderen Tiere übertragen
- eine Welpenstation, wo Welpen die notwendige Ruhe, Sauberkeit, Wärme
und Fürsorge bekommen
Doch leider bleiben diese Grundausstattungen meist nur ein Wunsch. Oft sind die Tiere Wind und Wetter ausgesetzt,
im Winter droht der Erfrierungstot, Futterspenden treffen oft im letzten Moment ein, die Welpensterblichkeit beträgt
dort wo es keine Stationen gibt bis zu 80%, bei starkem Regen oder Rohrbrüchen stehen die Tiere knietief
im Wasser, die Anlagen sind oft marode, das Gelände unwegig, manche Tierheime haben nicht einmal Strom oder warmes Wasser.
Doch die ungarischen Tierschützer geben nicht auf und versuchen mit Hilfe ausländischer Vereine die
Situation vor Ort ständig zu verbessern und ihre Schützlinge in einem guten neuen zu Hause unterzubringen.
Wie eingangs erwähnt, gibt es wie überall auch in Ungarn "schwarze Schafe". Das heißt Spendengelder kommen nicht
an, die Haltung der Tiere in den Heimen ist schlecht obwohl Mittel zur Verbesserung da wären, Tiere werden
ungeimpft und teilweise krank ins Ausland verkauft nur um Profit zu machen, Tierschutz wird als Deckmantel für
politische Zwecke benutzt usw. Diese Probleme gibt es aber überall, selbst in Deutschland. Deswegen
aufgeben und gar nicht mehr helfen sollte nicht die Lösung sein. Denn das wäre ein Schlag ins Gesicht
für all die Tierschützer, die wirklich alles in ihren Möglichkeiten stehende tun, damit es
den Tieren gut geht. Einige wenige Tierheime haben es sogar durch viele Spendengelder und einen unermüdlichen Einsatz
geschafft, einen hohen Standard zu erreichen (der durchaus mit einem deutschen Tierheim zu vergleichen ist).
Sie sind sehr stolz darauf, dass es "ihren" Tieren gut geht und sie sich im Heim wohlfühlen.
Auch diese Tierheime sind natürlich auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen, um weiterhin in der
Lage zu sein, die Tiere so gut zu versorgen.
Im Jahre 2002 haben sich 29 Organisationen (zum Teil mit angeschlossenen Tierheimen) zum Bund ungarischer
Tierschützer (MAOSZ) zusammengeschlossen, um gemeinsam
vor dem Staat für eine starke, finanzielle Basis zu kämpfen, die den Tierheimen das Überleben
sichern könnte. Auch hier kann man nur hoffen, dass dieses Vorhaben von Erfolg begleitet wird.
29.05.2005 Anmerkung:
Im Mai 2005 haben sich Vertreter verschiedener Tierheime, darunter auch Mitglieder von Maosz und dem ungarischen Tierschutzbund
(HEROSZ), getroffen, um über den Tierschutz in Ungarn zu diskutieren.
An dieser Stelle werden wir demnächst mehr darüber berichten.
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